Obwohl der Convenience-Store-Riese Pläne angekündigt hatte, nach Deutschland zu expandieren, gibt es noch immer keinen einzigen 7-Eleven bei uns. Aber warum ist das so?
Wer schon einmal in den USA, Japan, Thailand oder auf den Philippinen unterwegs war, kennt die grün-orange-roten Geschäfte von 7-Eleven. Die Convenience-Store-Kette ist rund um die Uhr geöffnet, verkauft Snacks, Getränke, Fertiggerichte und viele Alltagsartikel und gehört in vielen Ländern ganz selbstverständlich zum Straßenbild. Umso überraschender ist es, dass es bis heute keinen einzigen regulären 7-Eleven in Deutschland gibt. Doch woran liegt das eigentlich?
Die Antwort ist nicht ganz so einfach. Denn obwohl Deutschland wirtschaftlich stark ist und Millionen potenzielle Kunden bietet, gibt es gleich mehrere Gründe, weshalb der weltgrößte Convenience-Store-Betreiber bislang auf einen Markteintritt verzichtet hat.
Was ist 7-Eleven überhaupt?
7-Eleven wurde 1927 in den USA gegründet und gehört heute zum japanischen Konzern Seven & i Holdings. Mit über 85.000 Filialen weltweit ist das Unternehmen die größte Convenience-Store-Kette der Welt. Besonders stark vertreten ist die Marke in Japan, Taiwan, Thailand, Südkorea, den USA und den Philippinen. In Europa gibt es lediglich einige Märkte, beispielsweise in Norwegen, Schweden und Dänemark. Deutschland gehört dagegen bis heute nicht zum internationalen Filialnetz.
Der deutsche Markt ist bereits stark besetzt
Ein wesentlicher Grund ist die enorme Konkurrenz. Anders als in vielen anderen Ländern gibt es in Deutschland bereits ein sehr dichtes Netz aus Supermärkten und Discountern. Aldi, Lidl, Rewe, Edeka, Netto oder Penny sind fast überall innerhalb weniger Minuten erreichbar.
Hinzu kommen Tankstellen-Shops, Bahnhofsgeschäfte sowie regionale Kioske und sogenannte Spätis, die vor allem in Städten wie Berlin viele Aufgaben eines klassischen Convenience Stores übernehmen. Dadurch wäre es für 7-Eleven schwierig, sich mit einem klaren Alleinstellungsmerkmal zu positionieren.
Deutsche Verbraucher kaufen anders ein
Auch das Einkaufsverhalten unterscheidet sich deutlich von Ländern wie Japan oder den USA. Dort kaufen viele Menschen täglich kleine Mengen ein und greifen häufig zu Fertiggerichten oder Snacks für unterwegs.
In Deutschland planen viele Verbraucher ihren Einkauf dagegen im Voraus. Große Wocheneinkäufe in Supermärkten oder Discountern sind weit verbreitet. Gleichzeitig achten viele Deutsche stark auf günstige Preise. Convenience-Produkte sind jedoch meist teurer als vergleichbare Waren im Supermarkt.
Für 7-Eleven wäre es deshalb deutlich schwieriger, die hohen Betriebskosten über entsprechende Verkaufspreise wieder einzuspielen.
Die Öffnungszeiten sind ein großes Hindernis
Viele verbinden 7-Eleven automatisch mit Geschäften, die rund um die Uhr geöffnet sind. Genau das wäre in Deutschland allerdings nur sehr eingeschränkt möglich.
Die Ladenöffnungszeiten werden hierzulande durch die Bundesländer geregelt. Sonntags dürfen die meisten Geschäfte grundsätzlich nicht öffnen, und auch Nachtöffnungen sind vielerorts nur in Ausnahmefällen erlaubt. Zwar gibt es Ausnahmen für Tankstellen oder Geschäfte in Bahnhöfen und Flughäfen, doch das klassische 24-Stunden-Konzept von 7-Eleven ließe sich in Deutschland kaum umsetzen.
Damit würde einer der größten Wettbewerbsvorteile der Marke wegfallen.
Das Sortiment müsste komplett angepasst werden
Ein weiterer Punkt ist das Produktsortiment. Besonders in Japan gelten 7-Eleven-Filialen fast schon als kleine Restaurants. Dort gibt es frische Bento-Boxen, Sushi, Sandwiches, warme Mahlzeiten, Kaffee in Barista-Qualität und zahlreiche Dienstleistungen wie Paketversand oder das Bezahlen von Rechnungen.
Ein großer Teil dieses Angebots müsste für den deutschen Markt komplett angepasst werden. Viele Produkte würden den Geschmack deutscher Kunden vermutlich nicht treffen, während andere aufgrund strenger Lebensmittelvorschriften oder logistischer Anforderungen schwieriger umzusetzen wären.
Eine solche Anpassung verursacht hohe Kosten und macht den Markteintritt deutlich aufwendiger.
Hohe Investitionen für Logistik und Lieferketten
Damit ein Convenience-Store erfolgreich funktioniert, reicht es nicht aus, einfach Filialen zu eröffnen. Hinter jeder 7-Eleven-Filiale steckt ein ausgeklügeltes Logistiksystem mit mehreren täglichen Lieferungen.
Gerade frische Lebensmittel müssen zuverlässig und schnell verteilt werden. Dafür wären in Deutschland neue Lager, Lieferketten und Verträge mit hunderten regionalen Lieferanten erforderlich. Diese Anfangsinvestitionen wären enorm und müssten sich erst über viele Jahre amortisieren.
Frühere Expansionspläne scheiterten
Ganz neu ist die Idee eines deutschen 7-Eleven übrigens nicht. In der Vergangenheit gab es mehrfach Berichte über mögliche Markteintritte. Teilweise war sogar geplant, zunächst in Berlin zu starten und anschließend weitere Großstädte wie Hamburg, München oder Köln zu erschließen.
Zu einer tatsächlichen Eröffnung kam es allerdings nie. Offizielle Gründe wurden kaum genannt, Branchenexperten gehen jedoch davon aus, dass die Kombination aus starkem Wettbewerb, regulatorischen Hürden und wirtschaftlichen Risiken letztlich gegen eine Expansion sprach.
Könnte sich das in Zukunft ändern?
Ganz ausgeschlossen ist ein Markteintritt nicht. 7-Eleven sucht weltweit weiterhin nach neuen Franchise-Partnern und zeigt grundsätzlich Interesse an zusätzlichen Märkten. Deutschland wird dabei immer wieder als potenzieller Expansionsmarkt genannt. Konkrete Pläne oder bestätigte Eröffnungstermine gibt es derzeit jedoch nicht.
Sollte sich das Einkaufsverhalten in Deutschland weiter in Richtung schneller Convenience-Käufe entwickeln oder sich gesetzliche Rahmenbedingungen ändern, könnte die Situation künftig anders aussehen. Auch der Trend zu kleineren Innenstadtmärkten und Ready-to-eat-Produkten spielt Unternehmen wie 7-Eleven grundsätzlich in die Karten.
Darum gibt es 7-Eleven noch nicht in Deutschland
Dass es keinen 7-Eleven in Deutschland gibt, liegt nicht an mangelndem Interesse an der Marke, sondern an einer Kombination aus wirtschaftlichen und rechtlichen Faktoren. Der deutsche Einzelhandel ist bereits stark umkämpft, die Verbraucher kaufen anders ein als in vielen anderen Ländern, und strenge Ladenöffnungsgesetze nehmen dem Konzept einen wichtigen Wettbewerbsvorteil.
Hinzu kommen hohe Investitionskosten für Logistik und Lieferketten sowie die Notwendigkeit, das gesamte Sortiment an den deutschen Markt anzupassen. Deshalb hat sich 7-Eleven bislang gegen eine Expansion entschieden.
Dennoch bleibt Deutschland langfristig ein interessanter Markt. Sollte sich das Konsumverhalten weiter verändern und ein passendes Geschäftsmodell entwickelt werden, ist es durchaus möglich, dass die bekannte Convenience-Kette eines Tages doch noch den Schritt nach Deutschland wagt.
